Bayreuther Festspiele

Die Bayreuther Festspiele – Richard Wagner und sein Gesamtkunstwerk

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Sie gehören neben den Salzburger Festspielen zu den renommiertesten und bekanntesten Festspielen weltweit: die Bayreuther oder Richard-Wagner-Festspiele. Glücklich ist auch heutzutage noch, wer für die rund 30 höchst begehrten Aufführungen pro Jahr ein Ticket ergattern kann. Immerhin ist es seit 2013 möglich, an einem im voraus festgelegten Tag Karten aus einem Onlinekontingent zu erwerben. Doch auch hier heißt es, schnell zu sein, denn die Karten sind bereits nach wenigen Stunden ausverkauft.

Einige Jahre zuvor sah die Situation aber noch viel ungünstiger aus: Denn damals standen den ca. 60.000 Tickets fast zehnmal so viele Nachfragen gegenüber. Wartezeiten von zehn Jahren waren keine Seltenheit. Dem florierenden Schwarzmarkt begegnete man schließlich mit personalisierten Eintrittskarten und stärkeren Kontrollen.  

Doch alle Mühen und Wartezeiten wurden und werden mit einem Musiktheaterfestival belohnt, das seinesgleichen sucht und die Herzen aller Klassikfans unter den Ferienhaus-Urlaubern definitiv höher schlagen lässt. Aufgeführt wird jeweils vom 25. Juli bis zum 28. August eine Auswahl aus den zehn letzten Opern und Musikdramen Richard Wagners (1813–1883): ‚Der fliegende Holländer‘, ‚Tannhäuser‘, ‚Lohengrin‘, ‚Der Ring des Nibelungen‘ mit den vier Teilen ‚Das Rheingold‘, ‚Die Walküre‘, ‚Siegfried‘ und ‚Die Götterdämmerung‘), ‚Tristan und Isolde‘, ‚Die Meistersinger von Nürnberg‘ sowie ‚Parsifal‘.

Vom wirtschaftlichen Fiasko zum künstlerischen Welterfolg

Wagner, der geniale Komponist, Textdichter, Dramaturg und Intendant suchte lange nach dem idealen Standort für sein Theater, an dem er ohne Ablenkung von außen und ohne Kompromisse an den üblichen Repertoirebetrieb seine Vision des Gesamtkunstwerkes umsetzen konnte. Im Jahre 1871 fiel seine Wahl dann auf den ‚Grünen Hügel‘ in Bayreuth. Hier sollte ein Festspielhaus entstehen, dass allein seinen Werken gewidmet war. Am 13. August 1876 war es schließlich soweit: die ersten Festspiele fanden statt. An vier aufeinanderfolgenden Tagen wurde der komplette 4-teilige ‚Ring des Nibelungen‘ uraufgeführt.

Trotz des künstlerischen Erfolges waren die Festspiele zunächst ein finanzieller Fehlschlag. Erst 6 Jahre später, nämlich 1882, konnten sie mit der Uraufführung des ‚Parsifal‘ fortgeführt werden. Nach Wagners Tod im darauffolgenden Jahr wurden die Festspiele zunächst von seiner Witwe Cosima und seinem Sohn Siegfried fortgeführt. Da der Festspielbetrieb ein reines Privatunternehmen der Familie Wagner war, mussten die Festspiele immer wieder für ein paar Jahre pausieren. Weder die Einkünfte, noch das Publikumsinteresse waren durchwegs gegeben – heutzutage tatsächlich unvorstellbar. Erst mit der finanziellen Absicherung durch das Dritte Reich (Adolf Hitler war ein großer Wagner-Verehrer gewesen) gelang es, die Festspiele jährlich durchführen zu können. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieb dies dann seit 1951 die Regel. Die Enkel des Festspielgründers, Wieland und Wolfgang Wagner, hatten bei diesem Neuanfang gemeinsam die künstlerische und organisatorische Leitung inne. Pro Saison etablierte sich zumeist eine Neuinszenierung.

Video: Festspielhaus in Bayreuth


Mit seiner radikalen ‚Entrümpelung‘ der Bühne gelang Wieland Wagner dabei ein vielbeachteter ästhetischer Neuanfang, der weltweit Beachtung und Nachahmung fand. Das Jahr 1976 markierte schließlich eine weitere künstlerische Zäsur: Die stilistischen Erneuerungen des sog. ‚Jahrhundertrings‘ von Patrice Chéreau stießen zunächst teils auf heftige Ablehnung, setzten sich aber immer stärker durch. Musikalisch höchstbedeutend waren die Aufführungen jedoch durchwegs. Vor allem die Leistungen des Chores und des Orchesters werden einstimmig in den höchsten Tönen gelobt. Für Sängerinnen und Sänger war und ist es quasi der ‚Ritterschlag‘, in Bayreuth singen zu dürfen. Ein festes Ensemble gibt es im Gegensatz zu anderen Opernhäusern bekanntermaßen nicht.

Wollen Sie eine Vorstellung besuchen, dann beachten Sie bitte, dass die Vorstellungen aufgrund der 3 bis 6-stündigen Dauer bereits am frühen bzw. späteren Nachmittag beginnen. Einstündige Pausen zwischen den Aufzügen ermöglichen einen stressfreien Imbiss oder einen Spaziergang an der frischen Luft. Der ist zuweilen auch nötig, denn in den Sommermonaten kann es im Festspielhaus bis zu 35-40 Grad heiß werden. Für den Kunstgenuss müssen Sie also zuweilen Opfer bringen …

Das Festspielhaus - ‚Scheune‘ oder ‚Weihetempel‘?

Erbaut wurde das weltberühmte Festspielhaus auf dem ‚Grünen Hügel‘ nach Entwürfen Wagners in den Jahren 1872–75 von Otto Brückwald im Stil der hellenistischen Romantik. Der Außenbau besteht vorwiegend aus einfachem roten Ziegelstein ohne größeren dekorativen Schmuck. Aus diesem Grund wurde das Haus ironisch oft als ‚Scheune‘ bezeichnet. Zuschauerraum und Bühnenhaus sind in Fachwerk-Bauweise ausgeführt, wobei das ursprüngliche Holzfachwerk bei Renovierungen in den 1960er Jahren durch Beton und Stahl ersetzt wurde. Auch der Innenraum ist im Gegensatz zu anderen Opernhäusern der Zeit äußerst schlicht und zweckmäßig gehalten. Ein stark ansteigendes Parkett in Form eines Amphitheaters mit guter Sicht von den knapp 2000 Plätzen ersetzt die üblichen Logen. Nach Wagner Willen sollte ein ‚demokratischer‘ Zuschauerraum ohne Standesschranken entstehen - mit Konzentration lediglich auf das musik-theatralische Werk.

Typisch für Bayreuth und seine außerordentliche Akustik ist der tiefliegende, nicht einzusehende Orchestergraben, der sog. ‚mystische Abgrund‘. Ein Schalldeckel verbirgt hierbei das riesige Orchester vor den Zuschauern und hat zugleich die Aufgabe, die Lichtreflexe von den Pultbeleuchtungen nicht in den Zuschauerraum gelangen zu lassen. Nichts soll auf Wagners Wunsch von der Illusion auf der Bühne ablenken. Zugleich entsteht der vielgerühmte Bayreuther Mischklang, der sich überall im Raum gleichermaßen ausbreitet, ohne einzelne Instrumente lokalisieren zu können. Aber am besten, Sie überzeugen sich während Ihres Ferienhaus-Aufenthaltes selbst von der einzigartigen Akustik des vielgerühmten ‚Weihetempels‘. Und auch, wenn sich die Kleidervorschriften gelockert haben, am wohlsten werden Sie sich hier in festlicher Abendgarderobe fühlen …

Im Laufe der Jahre wurde das berühmte Festspielhaus übrigens mit einigen Nebengebäuden erweitert. Sie dienen im Jahresverlauf als Proben- und Werkstatträume und beherbergen während der Festspielzeit auch die Gastronomie.  

Die Adresse des Festspielhauses lautet: Festspielhügel 1-2, 95445 Bayreuth. Diverse kostenpflichtige Parkmöglichkeiten sind gegeben.

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